John Muir Wilderness & Mt. Whitney

In Independence wartet eine Überraschung auf uns: Unser PCT Freund Flatfoot aus Louisiana, mit dem wir letztes Jahr viel zusammen gewandert sind, hat uns zwei Resupply Pakete an eine Moteladdresse geschickt! Neben dem typischen Trailessen sind sogar noch meine Lieblingsbonbons, ein paar Tüten Hot Apple Cider und Reeses dabei, thank you Flatfoot! Und so starten wir mit gut gefüllten Bärenkanistern in Richtung Kearsarge Pass. 

 

Es dauert eine Weile bis uns ein Auto die kurvige Straße zum Trailhead mit hochnimmt. Letztlich nimmt uns eine fröhliche Familie mit, die ihre Tochter und deren Freundin zum Wandern in die Berge bringt. Dann geht es bei bestem Sonnenschein los, immer bergauf. Diese Etappe führt uns über zwei Pässe, den Kearsarge Pass und anschließend Forester Pass, mit knapp über 4.000 m der höchsten Punkt auf dem PCT, sowie abschließend auf Mt. Whitney, den höchsten Berg in den Lower 48.

 

Zusammen mit uns reiten zwei Cowboys mit Maultieren den Trail zum Kearsarge Pass hoch. Sie bringen Versorgungslieferungen in die High Sierra. Der Weg ist mäßig steil, zieht sich aber ganz schön. Die Reiter motivieren uns und die Tiere mit ihren zwinkernden "nice and slow and steady" Zurufen. Hinter dem Pass trennen sich unsere Wege und wir steigen am Hang des Glen Passes nach Süden hin ab, entlang vieler kleiner Seen. Unten angekommen geht es direkt wieder hoch, Richtung Forester Pass.

Diesen nehmen wir am nächsten Morgen in Angriff. Es liegt mittlerweile kein Schnee mehr, nur einige Felder mit gefrorenen Hagelkörnern vom gestrigen Gewitter. Der Aufstieg von der Nordseite ist etwas höher, aber insgesamt gut zu schaffen. Viel besser, als erwartet! Wir kommen an blühenden Bergwiesen, hellblauen Gletscherseen und später krassen Felsformationen vorbei. Als wir den Sattel des Forester Passes erreichen, ist schon ein Grüppchen von John Muir Trail Hikern dort und es ist nicht viel Platz auf dem schlanken Pass. Wir plaudern ein bisschen und dann geht es für uns an der Südseite wieder runter ins nächste Tal. 

 

Jeden Tag erleben wir den gleichen Ablauf: Morgens ist kein Wölkchen am Himmel zu sehen und es sieht nach einem perfekten Sommertag aus. Gegen Mittag ziehen dann ganz plötzlich dunkle Wolken auf und gegen 13:30 rollt der Donner näher. Nachmittags gibt es dann heftigste Gewitter und sintflutartigen Regen. Gegen Abend ist alles vorbei und der Himmel wieder komplett klar. — Typical monsun season, sagen die Einheimischen. Das haben wir letztes Jahr nicht einmal erlebt. An einem Abend campen wir an einem Hang und der Regen löst eine kleine Schlammlawine aus, die alles unter unseren Zeltapsiden wegspült. Herrlich, so ein kalifornischer Sommer...

 

Am darauffolgenden Tag folgen wir dem PCT über das Bighorn Plateau bis Crabtree Meadows und schlagen dann den Weg zum Mt. Whitney ein. Ein paar Meilen steigen wir noch am frühen Nachmittag (vor dem nächsten Thunderstorm) auf und campen dann am Guitar Lake. Hier tummeln sich mal wieder die Murmeltiere auf den Felsen und wir genießen die alpine Landschaft.

 

Da wir den Sonnenaufgang auf Mt. Whitney erleben wollen, bauen wir in aller Frühe unser Zelt ab und starten bereits um 1:15 mit dem Aufstieg. Es ist noch mehrere Stunden dunkel und wir laufen mit Stirnlampen. Über uns leuchten Milliarden von Sternen mit dem fast vollen Mond um die Wette.

Der Weg ist hinter Guitar Lake oft schwer zu finden und durch die starken Regenfälle zum Teil völlig überschwemmt. Schnell sind die Schuhe durchnässt. Dann fangen die Serpentinen an, die sich immer höher den steinigen Berghang hochschlängeln. Plötzlich leuchten mir im Schein meiner Stirnlampe zwei funkelnde Augen entgegen und ich kann nur wage einen größeren Tierkörper erkennen. Wir sind bereits auf 3.700 m, links ist die steile Bergwand, rechts der Abgrund, und ich denke, oh Gott ein Mountain Lion! Trotz Rufen und Blinken mit der Lampe lässt sich das Tier nicht verscheuchen. Als wir ein paar Schritte weiter auf es zu gehen, erkennen wir, dass es bloß ein Hirsch ist, der sich in diese raue Gegend gewagt hat — puh! 

Nach ca. zwei Stunden erreichen wir die Whitney Junction. Hier beginnen die letzten 3 km über einen Grat zur Spitze des Whitneys. Wir essen schnell eine Portion Müsli und dann geht es weiter. Der Mond ist mittlerweile nicht mehr sichtbar und es ist wirklich pechschwarz um uns herum. Der Grat wird immer enger und an einigen Stellen geht es an beiden Seiten in die dunkle Tiefe. Ziemlich schwindelerregend... Wir kraxeln über die Felsen und nähern uns endlich dem Ziel. Um 4:50 stehen wir auf dem Gipfel — 4.421 m, mein bisheriger persönlicher Höhenrekord. Wir sind die ersten auf der Spitze. Es ist eisig kalt. Bis zum Sonnenaufgang dauert es noch eine dreiviertel Stunde. Wir kuscheln uns in unsere Schlafsäcke, ziehen alles an, was wir dabei haben, und warten auf die Sonne... Zwei andere Männer kommen an und leisten uns Gesellschaft. Dann beginnt das Naturkino und der rote Streifen am Horizont leuchtet immer intensiver, bis langsam die Sonne die Berggipfel erleuchtet. Der Ausblick ist einfach grandios! Wir stehen auf dem höchsten Berg der Sierra (sogar dem höchsten Berg Amerikas, mit Ausnahme von Alaska) und können auf die sonst so gewaltig erscheinenden Berge um uns herum herabblicken. Jetzt ist es auch hell genug für das obligatorische Gipfelfoto.

Aber langsam wird es kalt — Zeit für den Abstieg. Im Tageslicht wirkt der Grat noch einmal ganz anders. Erst jetzt erkennt man, wie riesig die Geröllfelder und wie zackig die Bergspitzen sind. An der Whitney Junction nehmen wir diesmal den Weg zum Whitney Portal runter, ein 17.5 km langer Abstieg. Mittags springen wir zur Abkühlung (mittlerweile ist es wieder heiß) in den eisigen Lone Pine Lake. Dann noch ein paar Switchbacks und wir sind am Ziel unserer Tour angekommen! Diesmal hält gleich das erste Auto an der Ausfahrt vom Trailhead Parkplatz und nimmt uns mit runter nach Lone Pine. Über den Bergen sehen wir schon wieder die ersten Blitze...

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Kommentare: 2
  • #1

    Catharina (Donnerstag, 26 Juli 2018 12:22)

    Nicht zu glauben! Ihr habt den Gipfel erreicht! Beide!!!! Ich bin sooo begeistert! Auch wenn es sich gefährlich anhört, Ihr habt es gemeistert!!!! Ich bin so stolz auf Euch beide! Und freue mich, Euch gesund wieder in die Arme zu schliessen schon in 3 Tagen!!!! Mami

  • #2

    Mike (Montag, 30 Juli 2018 10:53)

    Congratulations on Forester and Whitney!

 

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