Ashland bis Burney

Unser nächster Abschnitt startet mit einem kleinen Roadtrip: Von Bishop aus mieten wir ein Auto und fahren ca. 800 km hoch nach Ashland, um von dort aus wieder zurück nach Süden zu laufen und so hoffentlich den schlimmsten Flussquerungen und Schneemassen zu entgehen. Wir haben Glück und ergattern den letzten verfügbaren Leihwagen. Durch die krasse Wetterlage in der Sierra Nevada fahren die meisten Hiker ebenfalls in Richtung Norden. Wir legen noch einen Café Stop in Mammoth ein und treffen dort Ida aus Schweden, eine andere Thruhikerin, die hier eine Woche pausiert. Die Strecke führt durch wunderbare Landschaften und zur Linken sehen wir die hohen, schneebedeckten Bergmassive der Sierra, die wir in den nächsten Wochen überqueren müssen. 

 

In Ashland füllen wir unsere Bärenkanister mit neuer Verpflegung. Der Platz ist limitiert und unser Hunger bekanntlich groß und so spielen wir immer wieder Tetris, bis sich der Kanister endlich schließen lässt. Kleine Lücken werden mit einzelnen Bonbons oder M&Ms gestopft. Wir verbringen die Nacht im Zelt im Garten von Callahan's, einer schicken Lodge nahe des Trails. Die Hochzeitsgesellschaft, die in den schönen Zimmern untergebracht ist, hat vermutlich einen interessanten Ausblick auf unser buntes Lager unter der Restaurantterrasse.

Am nächsten Morgen hiken wir raus. Die Sonne scheint und der PCT schlängelt sich kontinuierlich hoch auf den Mount Ashland. Wir blicken in grüne Täler und ahnen noch nicht, was uns einige Meilen später erwartet. Nach einer Nacht im Wald steigen wir wieder auf über 2.000 m auf, folgen einer Bergkette und stecken mit einem Mal im Schnee. Soviel zu unserem Plan, dem Winter zu entkommen... Der Trail verläuft nun an steilen Hängen entlang, die noch immer unter mehreren Metern Schnee begraben sind. Die warme Sonne lässt die Oberfläche antauen, sodass unsere Schuhe im Nu klitschnass sind, während der Trail auf der Nordseite der Berge vereist und glatt ist. Zum Glück haben wir unsere Mikrospikes dabei. Dennoch ist es sehr beschwerlich, an den abfallenden Hängen den nötigen Grip zu bekommen. Auf den flacheren Bergrücken ist der PCT gar nicht mehr zu erkennen und wir navigieren mit GPS. Zum Teil weichen wir auf Forstwege aus, die zwar auch tief verschneit, aber dafür nicht so steil sind. Insgesamt kommen wir nur langsam voran und das rutschige Gekraxel macht sich nach einigen Meilen in den Gelenken bemerkbar. Malin rutscht an einem steilen Hang aus und schlittert das Schneefeld runter; Sie nimmt ordentlich Geschwindigkeit auf, sodass sie selbst auf dem matschigen Waldboden darunter nicht stoppen kann. Nach einigen Metern bremst dann ein umgestürzter Baum die Rutschpartie. Nasse Schuhe, nasser Hintern... auch das ist Kalifornien im Sommer!

 

Am dritten Tag erreichen wir wieder schneefreies Gelände. Nach einem langen, anstrengenden Wandertag trotte ich den schmalen Trail entlang, als es plötzlich rechts im Gehölz laut kracht. Ein Schwarzbär bricht unvermittelt aus dem Wald und steht direkt vor mir, nur 3 m entfernt, auf dem Weg. Wir starren uns beide überrascht an. Dann tritt Malin auf einen morschen Ast und der Bär macht einen Sprung und läuft davon. Wow, unser erster PCT Bär!

Hinter Castella, einige Tage später, haben wir dann gleich noch eine Bärenbegegnung. Diesmal sichten wir zunächst ein dunkelbraunes Bärenjunges, das vom Trail aus die Böschung hoch läuft. Kurz darauf entdecken wir noch ein zweites hellbraunes Junges und die Mama. Die drei Tiere beobachten uns aus etwa 10 m Abstand vom Berghang hinunter. Mit Rufen, Geklatsche und sogar schrägem Gesang versuchen wir sie zu vertreiben - vergebens. Allerdings ist das Muttertier ganz entspannt und so bleibt uns letztlich nichts anderes übrig, als vorsichtig an den Bären vorbei zu gehen.

 

Weniger spektakulär, aber dafür umso lästiger sind die Milliarden Moskitos, die uns jetzt täglich auflauern. In den waldigen Gebieten, die bereits schneefrei sind, wimmelt es nur so vor den Blutsaugern. Abends im Camp ist es zum Teil so schlimm, dass wir trotz Hitze mit Regenklamotten ums rauchige Lagerfeuer sitzen und versuchen, unser Essen schnell unter dem Kopfnetz hindurch in den Mund zu schieben. Trotz allem zähle ich nach dieser Etappe 145 Stiche!

 

Die letzten Tagen erreicht uns dann eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 45°C. Selbst abends kühlt es nicht merklich ab. In den Mittagspausen rasten wir oft an brausenden Flüssen, die herrlich eisig sind vom schmelzenden Schnee aus den Bergen. Es ist schon ein verrücktes Gefühl: mit den Füßen steckt man in Eis und Schnee und von oben brennt die kalifornische Sonne auf einen runter. Eigentlich müsste der Schnee doch in kürzester Zeit geschmolzen sein...?

 

Kurz vor Burney führt der PCT durch den McArthur-Burney Falls Memorial State Park. Wir bestaunen dort große Wasserfälle, die "Burney Falls", und freuen uns anschließend auf einen entspannten Tag in der Mountain Guest Ranch mit allem, was Hiker brauchen: Duschen, einer Waschmaschine und viiiel Essen...

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Burney bis Chester

Auf den nächsten Abschnitt haben wir uns schon lange gefreut: er führt uns durch den vulkanischen Lassen National Park. Heiße Quellen, dampfende Geysire, viele Seen und natürlich der schneebedeckte Mount Lassen, der größte Lavadom Vulkan der Welt.

 

Von Burney aus wandern wir zunächst durch eine trockene, steppenartige Landschaft, die langsam immer grüner wird. Über schwarzes Lavageröll geht es dann stetig hoch auf eine langgezogene Steilkante, der wir anderthalb Tage lang folgen. Zur Rechten hat man einen grandiosen Weitblick über das bewaldete Tal, zurück auf den hohen, schneebedeckten Mt. Shasta und den vor uns liegenden Mt. Lassen. Die Steilkante bietet kaum Schatten und es ist mal wieder extrem heiß und staubtrocken. Temperaturen, wie an den heißesten Tagen in der Wüste. Damit haben wir hier oben gar nicht mehr gerechnet. Nachmittags geht uns einige Meilen vor dem nächsten Tank das Wasser aus. Nicht weiter dramatisch, aber unangenehm. Gierig trinken wir jeder erstmal einen Liter auf Ex, als wir endlich den großen Wassercaché erreichen. Wir kochen unser Abendessen direkt am Tank und wandern danach noch einige Meilen mit neuen Wasserreserven bepackt in den Abend, bevor wir unser Lager auf dem höchsten Punkt vor einem traumhaften Sonnenuntergang aufschlagen. Wir schlafen ohne Überzelt und können so kurz darauf auch noch den leuchtenden Sternenhimmel bewundern. Es sind genau solche Momente, die einem trotz aller Strapazen auf dem Trail ein grundauf zufriedenes Lächeln ins Gesicht zaubern.

 

Am nächsten Tag führt uns der PCT runter nach Old Station, ein winziges Örtchen mit einer Tankstelle, JJ's Café, einem Nature Center und RV Park. Wir genießen unsere Mittagsrast mit eiskalter Soda, Avocado-Burgern und einem riesen Becher Eiscreme von der Tankstelle. Anschließend laufen wir noch einige Meilen durch lichten Nadelwald. Am nächsten Morgen folgen wir erst dem rauschenden Hat Creek, steigen einige Höhenmeter auf und überqueren dann endlich die Grenze zum Lassen National Park. Zunächst verläuft der PCT durch ein riesiges verbranntes Waldgebiet, nicht so spektakulär wie erwartet. An einem über die Ufer getretenen See (passenderweise der Soap Lake) waschen wir unsere Klamotten und baden in den Mittagshitze. Offenbar gibt es hier eine Heuschreckenplage; die kleinen Hüpfer versuchen doch tatsächlich unsere in der Sonne trocknenden Socken zu fressen, während wir faulenzen.

Es geht weiter durch wüstes Gehölz. Aber schließlich sind die verbrannten Gebiete geschafft, die riesigen Pinien wieder grün und frische Wiesen mit gelben Blumen ersetzen den Ascheboden. Der Schnee ist im Lassen größtenteils geschmolzen und wir kommen gut voran. Wasser gibt es nun überall und die blauen Seen reihen sich nur so aneinander. Neben kleineren Fließgewässern gilt es auch einen recht breiten Fluss mit starker Strömung zu überqueren. Etwas flussaufwärts entdecken wir einen dicken Baumstamm, auf dem wir trockenen Fußes ans andere Ufer balancieren. Abends bestaunen wir einen milchigblauen Schwefelsee und machen noch einen Abstecher zum "Terminal Geyser". Dampf steigt aus der Erde hoch, die Steine und der Fluss nahbei sind ordentlich aufgeheizt und es stinkt gehörig nach Schwefel. Island lässt grüßen!

Vor dem Abendessen wollen wir noch schnell Wasser an einer Quelle auffüllen, die sich etwas abseits des Trails an einer markanten Kurve befinden soll. Wir kraxeln durch dichtes Unterholz den Hang hinunter, können die Quelle aber nirgends finden. Wir teilen uns auf. Überall liegen umgefallene Bäume, dazwischen wachsen stachelige Büsche und die Mücken sind super aggressiv. Nach einer halben Stunde treffen wir uns wieder und ziehen Bilanz: alle haben zerkratzte Beine, völlig zerstochene Haut und Henning eine gemeine Verletzung von einem Ast am Auge. Aber er hatte auch Glück und hat im sumpfigen Gebüsch einen kleinen Bach entdeckt und die Wassersäcke aufgefüllt. Wir klettern müde zurück zum Trail hoch. Völlig entgeistert starre ich zwei Minuten später und eine Wegbiegung weiter ein kleines Holzschild mit der Aufschrift "Spring - 400 feet" an, das zu einem gut ausgetretenen Trampelpfad weist... 

 

Bereits im Dunkeln schlagen wir an diesem Tag unsere Zelte auf und deponieren die Bärenkanister wie immer einige hundert Meter vom Lager entfernt. Im Lassen gibt es einen berüchtigten Campbär; er ist schon älter und luchst den Wanderern regelmäßig strategisch Essen ab, indem er bedrohlich auf sie zugeht und sich nicht verscheuchen lässt, bis die Leute ihren Rucksack stehen lassen und zurückweichen. Dann vertilgt er genüsslich seine Beute, während die Wanderer nur hilflos zuschauen können. Er hat noch nie wirklich jemanden angefallen, aber seine Methode funktioniert immer wieder hervorragend! - Hut ab.

Morgens höre ich energische Schritte ums Zelt stapfen und wundere mich, wieso die anderen schon so früh auf den Beinen sind. Oder ist es der Campbär? Als ich die Tür öffne, starrt mir ein neugieriges Reh in die Augen. Es ist überhaupt nicht scheu und schleicht auch noch weiter um uns rum, während wir zusammenpacken.

 

Noch einen Aufstieg gilt es an diesem Tag zu bewältigen und dann geht es den ganzen Tag kontinuierlich bergab. Am 4. Juli, Independence Day, kommen wir gegen Mittag in Chester an. Der ganze Ort ist am feiern. Kurz vor unserer Ankunft ist gerade eine Parade durch die Main Street gezogen und wir sind ganz erschlagen von den vielen Menschen und dem Trubel... Hinter der Kirche dürfen die PCT Hiker umsonst im Garten zelten. Es gibt sogar ein Plumpsklo, WLAN und einen Hahn mit Trinkwasser. 

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Chester bis Sierra City

In Chester treffen wir Sebastian aus Holland wieder, den wir vor zwei Monaten in der Wüste kennengelernt haben. Wir werden die nächste Etappe gemeinsam mit ihm und unserem Lousianer Kumpel Flatfoot wandern.
Die erste Nacht verbringen wir auf einer kleinen Lichtung im Wald, der Heimat von zwei verrückten Rehen. Die beiden Tiere sind kein bisschen scheu und halten uns die ganze Nacht wach, indem sie versuchen unsere Socken zu klauen, Essen aus dem Zelt zu stibitzen und Flatfoots Hängematte abzuschlecken. Sie lassen sich durch nichts verscheuchen. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! Völlig verkatert (oder "verreht"?) schleppen wir uns am nächsten Tag die Berge hoch und runter. Der Tag wird sehr warm und schwül und die kurze Nacht macht sich bemerkbar. Abends bauen wir die Zelte auf einer erdigen offenen Lichtung auf. Beim Essen entdecken wir Spuren von einem Bären - hoffentlich jagt er auch den frechen Rehen etwas Respekt ein.
Tags darauf wird die Landschaft deutlich abwechslungsreicher: schwarze Lavafelder, bunte Bergwiesen mit gelben, weißen und violetten Blümchen und tolle Ausblicke. Um Wasser zu bekommen muss man tief absteigen, was uns einige Zeit kostet. Dafür ist das kalte Quellwasser fantastisch! Immer wieder hören wir Hirsche aus vollem Halse im Wald röhren. Am Nachmittag schlängelt sich der Trail weiter ins Tal und es gibt einige breitere Flüsse zu queren. Wir klettern von Stein zu Stein und über improvisierte Baumstammbrücken. Plötzlich macht es "Platsch" und Flatfoot rutsch mitsamt seinem Rucksack einen kleinen Wasserfall runter... Kurz darauf hat auch Sebastian nasse Stiefel. Wir Mädels balancieren selbstverständlich gekonnt ans andere Ufer und zücken die Kamera ;-) 
Der PCT verläuft tags darauf direkt durch den Ort Belden. Belden liegt in einer tiefen Schlucht, an einem breiten Fluss. Das bedeutet an einem Nachmittag viele Meilen in der Hitze ins Tal absteigen und am nächsten Tag auf der gegenüber liegenden Seite wieder die ganze Strecke in der Morgensonne bergauf klettern (wären wir doch wenigstens andersherum gelaufen...). Der winzige Ort besteht aus einem original getreuen Western Saloon und ein paar verstreuten Häuschen entlang des Flussufers. Der Saloon Besitzer betreibt zugleich die Bar, das Restaurant, den integrierten Minishop und den RV-Park nebenan. Die Einrichtung ist wirklich filmreif...der Barkeeper auch. Wir kaufen Tokens für die Dusche und waschen uns in den wohl ältesten und dreckigsten Duschkabinen des PCTs. Aber was soll's, wir sind ja selbst nicht gerade viel sauberer... Umso schöner ist an diesem Tag unser Campspot. Nach einem super leckeren Burger mit Avocados zum Abendessen laufen wir noch ein kleines Stückchen weiter und zelten in einer traumhaften Bucht am Flussufer mit feinem, weißen Sand und schattenspendenden Bäumen. Herrlich... Wäre da nicht der Güterzug, der nachts viermal ohrenbetäubend laut neben uns am Berghang entlangrattert.
Am nächsten Morgen steigen wir also stetig wieder auf, zunächst in Serpentinen durch dichten Nadelwald. Dann auf den felsigen Bergrücken entlang durch weite, offene Landschaft. An einer grün zugewucherten Quelle etwas abseits vom Trail füllen wir unsere Wasserflaschen. Langsam wird es immer heißer und wir entdecken in einiger Entfernung unter uns einen blau funkelnden Bergsee. Anderthalb Stunden später schwimmen wir in dem erfrischend kalten See (eigentlich sind es die "Three Lakes", die jedoch soviel Wasser tragen, dass sie momentan miteinander verbunden sind) und genießen dabei die herrliche Aussicht auf die umliegenden schneebedeckten Berge. Danach läuft es sich gleich viel leichter und die nächsten Meilen bis zum Camp fliegen nur so dahin.
Unser nächster Resupply Punkt ist Quincy. Ein rasender Ami gibt uns einen Ride vom Trail in den Ort. Er prescht die kurvige Bergstraße entlang und mir wird ganz übel von der ruckeligen Fahrt. Malin wird auf der offenen Ladefläche ordentlich durchgeschüttelt. Noch etwas benommen laufen wir anschließend die Straße entlang, um eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Plötzlich wechselt ein uralter Pick-Up die Spur und bremst vor uns auf dem Gehweg. Terry, ein waschechter Cowboy mit coolem Hut und passenden Stiefeln, fragt ob wir PCT Hiker seien und bietet uns an, umsonst auf seiner Ranch etwa 2 Meilen entfernt zu übernachten. Wir sind erst noch etwas unschlüssig, willigen dann aber dankend ein. Erst holen wir noch ein paar Pferde von einer Weide ab, laden sie in Terrys riesigen Anhänger und dann geht's zur Ranch. Wir werden in einer leer stehenden Holzhütte einquartiert, in der normalerweise Kids, die ins Sommercamp herkommen, wohnen. Von der Weide holen wir große Wasserkübel und waschen darin unsere Klamotten. Terry fährt uns sogar zum Einkaufen in den Ort und spendiert auch noch ein Eis - was für ein Tag. Abends revanchieren wir uns mit einem Essen zusammen mit den zwei Mädels, die auf der Ranch arbeiten. Es ist interessant einen Einblick in das Leben hier draußen zu bekommen. Wir unterhalten uns über den PCT, die Arbeit mit den Pferden auf der Ranch und auch etwas über die Abgründe der amerikanischen Politik.
Am nächsten Morgen verabschieden wir uns und machen noch ein paar Besorgungen bevor es zurück zum Trail geht. Nach Unmengen von Idahoen Mashed Potatoes (billig, fertig in 3 Minuten, leicht und klein zu verstauen - die Argumente sind einfach überzeugend) in den letzten Wochen werden wir mal richtig kreativ: Wir besorgen Parmesankäse, Zwiebeln und eine Luxusdose Bier, die wir abends im Camp zu fünft teilen. Damit werden die Idahoer Kartoffeln heute richtig aufgepeppt, ha!
Die nächsten Tage wandern wir hauptsächlich durch waldiges Gebiet. Wir überqueren den brausenden Middle Fork Feather River und entdecken einen herrlichen Spot für unsere Mittagsrast. Etwas flussaufwärts befinden sich sandige Flächen, direkt neben einem Eddie. Erst kühlen wir uns in dem flachen Basin ab, dann wagen wir uns weiter raus in die Stromschnellen. Der Fluss ist tief genug, um sich in den Schnellen treiben zu lassen, ohne mit den Steinen zu kollidieren, und dann flussabwärts wieder zum Ufer zu schwimmen. Was für ein Spaß! 
Zu den Sierra Buttes geht es wieder steiler bergauf. Die Ausblicke werden von Tag zu Tag besser. Riesige Täler mit eiskalten Bergseen, schroffe Felsformationen und die weißen Gipfel der Sierra. Immer wieder halten wir inne, machen Fotos und saugen die gewaltige Natur ein. Vor Sierra City treffen wir auch wieder auf einige Schneefelder. Der Schnee ist extrem rutschig und vereist. Zwar kann man die Passagen relativ einfach queren, jedoch geht es links einige hundert Meter steil bergab und unseren Hikerfreunden, die noch nie auf Schnee gewandert sind, wird ganz schwindelig.
Abends zelten wir neben einer hochgelegenen Forest Road an einem See. Gerade treffen wir Vorkehrungen, um das Essen bärensicher in die Bäume zu hängen, als wir Motorengeräusche hören. Ein Typ auf einer Enduro Maschine hält an. Er hat eine Kette mit drei Bärenzähnen um den Hals, ein verwaschenes Flanellhemd und eine abgewetzte Bikerjacke an, kurzum er sieht wie ein knallharter Naturbursche aus. Sein Name ist Will und er hält den Trail hier instand und arbeitet im abgeschiedenen Gold Lake Resort unten im Tal. Den schönen Gold Lake haben wir schon von den Bergen aus bewundern können. Kurz darauf, wir haben gerade ein Lagerfeuer entfacht und die Zelte aufgebaut, kommt Will zurück. Er setzt sich zu uns ans Feuer und packt Dosenbier, Melonenstücke, Reiscracker und eine gute Flasche Whiskey aus. Wir starren ihn ganz ungläubig an angesichts dieser unerwarteten Leckereien! Will erklärt, dass er den Whiskey von seinem Bruder geschenkt bekommen hätte und ihn sehr gerne in guter Gesellschaft mit anderen Naturliebhabern genießen würde. Na dann, Prost auf den guten Will und seinen Bruder! Der Abend wird super nett und wir kommen diesmal deutlich nach Hiker Midnight (21 Uhr) ins Bett.
Am letzten Tag steigen wir in langgezogenen Serpentinen etwa 3000 feet ab. Der Trail ist erst ziemlich überwuchert und dann einige Meilen lang mit Schottersteinen übersät. Auf der letzten Meile zischt es plötzlich unter meinem Stiefel und um ein Haar wäre ich auf eine kleine Klapperschlange getreten. Mit der hätte ich hier oben gar nicht mehr gerechnet! Sie ist perfekt getarnt auf dem braun-grauen Boden. 
In Sierra City, einem ebenfalls super kleinen Örtchen, erfahren wir von einem großen Waldbrand, der sich aktuell in Richtung Sierra ausbreitet. Im Ort können wir den Rauch sogar leicht riechen. Hoffentlich bekommen die Fire Fighter den Brand in den Griff... 
Wir übernachten auf dem Grundstück von Susan, die Hiker in ihrem kleinen Holzhaus und ihrem blumenübersäten Garten am Flussufer übernachten lässt. Es gibt echte Federbetten unter Zeltbaldachins, mit Blick auf den Fluss. Ein wahrhaft verzauberter Ort!
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Sierra City bis Truckee & Yosemite

Von Sierra City bis zum Donner Pass geht es stetig bergauf. Zunächst durch schattigen Wald, entlang brausender Flüsse, und dann einige Meilen auf einem langgestreckten Bergrücken, der mit gelben und violetten Blumen übersät ist. Zu beiden Seiten blicken wir hinunter auf blaue Seen, Fichtenspitzen und sanfte Hügel. Was für ein herrlicher Anblick! In den höheren Lagen treffen wir wieder auf Schneefelder und raue Felsen. Nach zwei recht entspannten Wandertagen mit fantastischen Ausblicken in die Sierra erwartet uns nochmal eine matschige Strecke durch schmelzwasserüberflutete Wiesen, immer entlang der rutschigen Schneekanten. Ein Paradies für Moskitos - die Hölle für arme Hiker in kurzen Hosen...
 
Der Donner Pass ist nach der Familie Donner benannt, die Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals versuchte, mit zwei anderen Familien, Pferden und den damals robustesten Wagen den Pass zu überqueren, um eine Abkürzung durch die Sierra zu finden. Die Truppe wurde jedoch von hohen Schneemassen gestoppt und musste viele Monate in den Bergen ausharren, bis schließlich Hilfe eintraf. Um zu überleben wurden erst die Pferde und später sogar die Verstorbenen gegessen. In Truckee erinnert ein Denkmal an das grausige Schicksal der Donners. 
Wir treffen zum Glück nur noch auf einige unproblematische Schneefelder. Allerdings sind die unter PCT Hikern bekannten, heiß ersehnten Snackautomaten am Highway nach Truckee leer als wir ankommen - das ist wohl der Fluch des Donner Passes.
 
Von Truckee aus geht es für uns weiter zum Yosemite National Park. Der PCT verläuft östlich durch den Park, wir machen aber einen Abstecher nach Westen, um uns ElCapitan und Half Dome anzuschauen. Die Landschaft lässt Klettererherzen höher schlagen! Wir bewundern die hohen Wasserfälle und laufen zum Mirror Lake. Am nächsten Tag führt uns ein kurzer Trail zu einem Hain mit Giant Seqoias. Dann geht es hoch zum Glacier Point. Von hier aus hat man einen grandiosen Panoramablick auf das Yosemite Tal, die Nevada Falls und unzählige Gipfel, inklusive Half Dome und daneben Clouds Rest. Bereits John Muir hat die Natur des ältesten National Parks der USA vom Glacier Point aus bewundern dürfen. Und auch wenn es hier deutlich touristischer ist als auf dem PCT, ist der Abstecher absolut lohnenswert!
Nach Yosemite drehen wir unseren schneebedingten Flipflop wieder um. Von hier aus fahren wir zurück nach Ashland, von wo aus wir vor einigen Wochen nach Süden gestartet sind. Jetzt geht es wieder in nördlicher Richtung weiter durch Oregon und Washington, hoffentlich bis nach Kanada...
Aber vorher heißt es noch Abschied nehmen. Erst von den atemberaubenden Ausblicken auf die Berge Yosemites. Und dann von Henning, der uns bis hierher durch die Wüste, Teile der Sierra Nevada und ganz Nordkalifornien begleitet hat und nun leider wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren muss. Auf dem Weg nach Ashland bringen wir ihn zum Flughafen in Oakland. Dann setzen wir auch unseren Holländer Sebastian alias Vampire Hunter am Trailhead in Castella ab (ihm fehlt noch die Etappe von Castella bis Ashland). Wir hatten alle eine so wunderbare und abenteuerliche Zeit zusammen, tausend Dank dafür!

Ashland bis Sisters

Vom Schnee ins Feuer...

 

Zusammen mit uns erreicht eine Hitzewelle Südoregon und bereits bei unserer Ankunft in Ashland ist es unglaublich heiß und stickig. Wir übernachten eine Nacht in der Jugendherberge, besorgen neue Gaskartuschen und packen Versorgungspakete für Oregon. Zufällig treffen wir Ina und Chris aus Süddeutschland wieder; Die beiden sind im April mit uns auf dem PCT gestartet und wir freuen uns riesig, sie hier wiederzusehen! Am nächsten Morgen frühstücken wir noch gemeinsam und dann geht's für uns zurück zum Trail.

 

Der PCT ist ab Ashland relativ flach und einfach zu laufen, aber dafür machen uns die schlappen 45°C zu schaffen. Schon morgens im Zelt fühlt man sich wie in der Sauna, sobald man sich in Bewegung setzt ist man schweißgebadet, mittags ist es für 3-4 Stunden schier unerträglich und wir liegen nur noch bewegungslos im Schatten und abends hängt noch immer schwüle Luft in den Tälern. Puh! Und wir dachten, die Wüstentemperaturen wären geschafft...

 

Drei Tagen geht's abwechselnd durch Moskitowälder und große, schwarze Lavafelder. Dann erreichen wir den Campground am Fish Lake. Wir verbringen einige Stunden auf der schattigen Veranda des Cafés und schwimmen zwischendurch im See. Freche Chipmunks fressen sich derweil durch Malins Essenssack. Ich erhalte hingegen ein charmantes Geschenk: ein Chipmunk schleppt einen toten Fisch vom See an und lässt ihn auf meine Füße fallen...äh, danke.
Als wir gerade weiterlaufen wollen, erreicht uns die Nachricht von einem großen Waldbrand rund um Crater Lake. Wir versuchen herauszufinden, welche Abschnitte des PCTs betroffen sind. Noch ist nur ein Teil nördlich von Crater Lake gesperrt und ein weiteres Gebiet in Nordoregon, jedoch soll die Rauchbelastung auch weiter südlich schon recht heftig sein. Das Feuer ist auf dem nächsten Abschnitt nur 3-5 Meilen vom Trail entfernt. Das ist uns etwas zu riskant - zumal wir auf dem Trail keinen Empfang haben und somit keine Chance, die neuesten Meldungen des Fire Departements zu checken.

Da in Crater Lake ein Versorgungspaket auf uns wartet, geht es erstmal dorthin. Dann sehen wir weiter. Nachts auf dem Campground riecht man das Feuer schon intensiv und Asche rieselt vom Himmel. Am nächsten Morgen wird dann auch die Alternativroute entlang der Crater Lake Rim in nördlicher Richtung des PCTs gesperrt. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als Crater Lake weiter zu umgehen. Also machen wir uns auf den Weg zum Highway.

 

Oft staune ich, wie sich viele Dinge auf dem Trail spontan zusammenfügen und sich immer wieder neue Möglichkeiten auftun. Während wir also im Rauch am Crater Lake hocken, kommt mit einem mal ein weißer Chevy vorgefahren und darin sitzt Brenda. Wir haben Brenda vor etwa 3 Monaten in der Wüste kennengelernt, sie hat damals an einem heißen Tag (ähnlich wie heute) gekühlte Sodas an die Hiker verteilt. Und tatsächlich erkennt sie uns wieder und bietet an, uns weiter nördlich zum Trail zu fahren! Branda ist ein bunter Paradiesvogel und ihr Auto ist vollgestopft mit allerlei Campingequipment, Klamotten, bunten Tüchern und Kissen, dazwischen sitzt noch ein Dackel und eine Hitchhikerin mit Skateboard und Gitarre. Wir quetschen uns mit zwei anderen PCT-Hikern zu viert hinten aufs Bett, die Rucksäcke werden auch noch irgendwie verstaut und los geht die Fahrt durch die Rauchschwaden. Unterwegs blicken wir auf den Crater Lake herab, der unter den dicken Aschewolken kaum sichtbar ist.

 

Wir kehren in dem offenen Gebiet zwischen dem Crater Lake Feuer und dem Mt. Jefferson Feuer in Nordoregon zurück zum Trail. Der Weg führt uns zunächst für einige Tage größtenteils durch eintönigen Nadelwald. Dazwischen passieren wir immer wieder Seen und kleinere Tümpel und es wimmelt nur so vor Moskitos. Trotz Regenjacke und Kopfnetz werden wir total zerstochen. Nicht gerade angenehmes Wandern...

 

Dann kommen wir an den Three Sisters, drei markanten Bergen, vorbei und die Landschaft wandelt sich: Erst laufen wir durch herrliche Bergwiesen mit unzähligen blau-violetten Lupinen und gelben Butterblümchen. Die Insekten summen vor Freude und dazwischen brummen auch ein paar flinke Kolibris von Blüte zu Blüte. Im Hintergrund die schneebedeckten Sisters. Es folgt ein spektakulärer Abschnitt durch schwarz glänzenden Obsidian und Lavageröll. Wir rasten an einem Gletscherfluss hinter den Obsidian Falls und genießen den Anblick. Anschließend steigen wir über einen Pass weiter auf und befinden uns plötzlich in einer kargen Steinwüste mit noch einzelnen Schneeflecken. Was für ein grandioser Wechsel von satt blühender Natur zu schroffer Vulkanlandschaft!

 

Auch am nächsten Tag geht es noch weiter durch Lavafelder, vorbei an einigen Kratern, bis wir das Youth Camp am Big Lake erreichen. PCT-Hiker dürfen hier die Duschen und Waschmaschine nutzen. Gegen eine kleine Spende gibt es auch ein leckeres vegetarisches Essen. Allerdings handelt es sich um ein streng christliches Camp und als Malin nach der Dusche in ein großes Badelaken gewickelt unsere Klamotten holen will, löst sie zum Amüsement der anderen Hiker einen minderschweren Skandal aus und wird schleunigst vom Hof eskortiert... 😀

 

Als nächstes geht es für uns nach Sisters, von wo aus wir die weitere Strecke planen und die Feuersituation in Nordoregon checken werden. Seit drei Tagen ist schon wieder der Rauch des nächsten Feuers zu sehen und nachts rieselt erneut Asche vom Himmel. Schneechaos, Hochwasser, Hitzerekorde und nun Waldbrände - was für ein verrücktes Jahr für den PCT!

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Sisters bis Cascade Locks

Es stellt sich als garnicht so einfach heraus, von Sisters aus um die Feuersperrung bei Mt. Jefferson herum zurück zum Trail zu kommen. Nach einiger Suche haben wir Glück und die Trailangel Joey und Bill bieten uns eine Mitfahrgelegenheit gen Norden an. Die beiden kommen eigentlich aus Nashville, machen gerade Urlaub in Oregon und sind ganz aufgeregt, PCT-Hiker kennenzulernen. Wir tauschen unterwegs Geschichten aus und die beiden bestehen darauf, uns nicht nur wie vereinbart am Highway rauszusetzen, sondern komplett bis an den Trailhead zu fahren. Das bedeutet einen Umweg von einer Stunde über Schotterpisten im Wald. Nach ca. 20 Minuten treffen wir auf eine Straßensperre. Bill lässt sich davon jedoch nicht aufhalten und fährt über die mit Schlaglöchern übersäte Straße weiter, bis vor uns ein Bauarbeiter auf einer Walze auftaucht. Aufgrund der vielen Waldbrände werden die Forest Roads in diesem Gebiet verbreitert, als Brandschneisen, um die Feuer einzudämmen. Nach kurzem Hin und Her (ja, wir wollen nur zum PCT...) sagt Bauarbeiter George "Ok, just follow me!", fährt mit rasanten 5 km/h vor und ebnet uns völlig entspannt mit seiner Walze den Weg. Danke George! Nach insgesamt 3 Stunden erreichen wir endlich den Trail hinter der Feuersperrung. Joey und Bill platzt leider noch ein Reifen auf dem Rückweg. - Es ist zum Glück ein Mietwagen und die Reparatur unterwegs ist sogar umsonst. Trotz allem freuen sich die beiden über unsere kleine Abenteuerfahrt. Oder wie Joey sagt: "Whereever we go, good things wait ahead and magic follows!"
 
Zurück auf dem PCT. Nach der holprigen Fahrt wandern wir noch einige Meilen und schlagen dann unser Lager auf. Nachts zieht ein Gewitter auf. Der nächste Tag ist grau und nass. Wir frieren in unseren Laufshorts und machen kaum Pausen, da es einfach zu ungemütlich ist. Umso mehr freuen wir uns über den spontanen Besuch von Flatfoots Cousine Joanna. Sie lebt nicht weit von hier und begleitet uns für ein paar Stunden auf dem Trail. In dieser Gegend gibt es einige Forest Roads, die den PCT kreuzen, über die sie uns erreichen kann. Wir beenden den grauen Tag mit einem gemütlichen Lagerfeuer, Pizza von Joanna und netten Gesprächen. 
 
Weiter geht es zum Mt. Hood, dem höchsten Berg Oregons. Wir verlassen den dichten Wald und wandern durch Blumenwiesen auf den markanten Berg zu. Auf etwa halber Höhe befindet sich die Timberline Lodge, die sowohl bei Hikern als auch Wintersportlern beliebt ist. Der Weg wird immer sandiger, je weiter wir hochsteigen und zu unserer Rechten haben wir einen tollen Ausblick auf die weißen Gletscher und einen rauschenden Fluss unten in der schroffen Talschneise. Am Abend bauen wir unser Zelt kurz vor der Lodge auf und genießen einen farbprächtigen Sonnenuntergang über Mt. Hood und gegenüber "Alpenglühen" über Mt. Jefferson.
 
Was wir uns einfach nicht entgehen lassen können, ist das leckere Frühstücksbuffet in der Timberline Lodge. Frische Waffeln, Obst, Salate, French Toast und Rüherei...das ist mal eine willkommene Abwechslung zu Müsli aus dem Ziplock-Beutel. Und das Beste daran: es ist ein All-you-can-eat Buffet! Und niemand kann es am Buffet mit Thru-Hikern aufnehmen... 
 
Glücklich und satt machen wir uns anschließend an die letzten 80 km durch Oregon. Das Wetter ist durchwachsen, nicht mehr so heiß wie zu Beginn und gelegentlich regnet es sogar. Der Trail verläuft weiter um Mt. Hood herum, vorbei an Wasserfällen und grünen Tälern. Unser Ziel, Cascade Locks, ist der tiefste Punkt des PCTs und wir beenden diese Etappe mit einem 16 km langen Abstieg. Während wir uns in Serpentinen den Berg runterschlängeln, sehen wir bereits unter uns den breiten Columbia River und darüber die Bridge of the Gods - die Grenze zu Washington. Damit ist Oregon geschafft!
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Cascade Locks bis White Pass

Ein letztes Mal gilt es Resupply Pakete zu packen und dann geht es von Cascade Locks aus über die berühmte "Bridge of the Gods" nach Washington. Es gibt keinen Fußweg und so laufen wir dicht am linken Brückengeländer entlang, während die Autos und Trucks sich an uns vorbeischieben. Ein Fahrer ruft aus dem Fenster "Where are you guys comin' from?" und wir rufen grinsend zurück "From Mexico!" 

 

Washington begrüßt uns mit einigem Auf und Ab – aber auch mit jeder Menge Huckleberries und Brombeeren am Wegrand. Während wir die ersten Berge hochstapfen, werfen wir uns also genüsslich Vitamine in den Mund. 

Abends zelten wir auf einem Plateu mit Blick auf Mt. St. Helens. Die Nächte sind nun deutlich kälter und die nächsten zwei Tage wandern wir durch Regen und dichten Nebel. Ausgerechnet am regnerischsten Tag muss ein reißender Gletscherfluss durchwatet werden, brrr... Als wir Trout Lake erreichen – ein kleiner Ort einige Meilen abseits vom PCT, der für seine unwiderstehlichen Huckleberry Milchshakes berühmt ist, kommt die Sonne erstmals wieder hervor. 

 

Der Trail führt hinter Trout Lake weiter aufwärts, bis Mt. Adams vor uns auftaucht. Wir laufen durch Bergwiesen und einige Lavafelder an dem imposanten, gletscherbedeckten Berg vorbei. Um die letzten Sommertage gebührend auszukosten, schwimmen wir abends in einem schönen, aber leider doch recht eisigen See mit Aussicht auf Mt. Adams. 

 

Am nächsten Tag gelangen wir in die Goat Rocks Wilderness. Erst führt der Trail durch waldiges Gebiet, aber sobald wir die Grenze zum Yakima Reservat überschreiten, eröffnet sich uns hinter der nächsten Bergkuppe ein grandioser Ausblick auf ein weites Bergmassiv, rauschende Wasserfälle und tief unten grüne Täler. Wir steigen noch einige Hundert Meter höher und rasten dann am Berghang, um diesen wunderschönen Anblick zu genießen. Dann überqueren wir den Cispus Pass und schon tut sich das nächste Bergparadies auf! Abends zelten wir kurz vor dem höchsten PCT Punkt Washingtons. Durch die vielen Waldbrände hängt noch immer viel Rauch in der Luft; An diesem Abend leuchtet die Sonne dadurch wie ein roter Feuerball.

 

Am nächsten Morgen machen wir uns an die letzten Meilen bergauf, bis zur Weggabelung am Old Snowy Mountain. Am höchsten Punkt genießen wir unser Frühstück vor dem wohl spektakulärsten Ausblick überhaupt! Zu unserer Linken thront Mt. Rainier, rechts ziehen sich schroffe Felsen durch das weite Tal und die Schneefelder glitzern in der Morgensonne. Ein paar Murmeltiere sonnen sich nur wenige Meter von uns entfernt auf den Felsen. Dann geht es weiter über "Knife's Edge", ein langgezogener Grat, der uns durch die alpine Landschaft führt. Der Trail ist zum Teil sehr schmal und steil, mit kleinen Kletterpartien, und die Altschneefelder sind rutschig vereist. Wir treffen eine Französin, die mit Höhenangst zu kämpfen hat und begleiten sie über den vereisten Teil. Die Landschaft ist so beeindruckend, dass wir ständig innehalten und gegen Mittag stellen wir fest, dass wir nur 6 km weit gekommen sind. – Aber durch so eine fantastische Natur möchte man einfach nicht durchhasten. 

 

Etwa 20 km vor White Pass treffen wir auf zwei Männer mit Pferden. Sie sind mit Gewehren und drei Maultieren, die ihr Gepäck tragen, ausgestattet und auf der Jagd nach einem großen Bären, der hier in der Gegend wohl des öfteren in die Camps eindringt. Viele Leute hängen ihr Essen nachts nicht in die Bäume; Wenn die Bären dann erstmal auf den Geschmack der Campingküche gekommen sind, kommen sie immer wieder zurück und müssen in einigen Fällen geschossen werden. – Sehr traurig, denn Essen hochzuhängen ist nun wirklich kein großer Akt. Die Cowboys berichten außerdem, dass der PCT nördlich von White Pass gerade wegen eines Feuers gesperrt wurde. Aber vielleicht hätten wir Glück und die Situation ist in 1-2 Tagen entspannter. Wir werden sehen.

Nach einer sehr stürmischen Nacht steigen wir die letzten Meilen zum White Pass ab. Dort gibt es genau ein öffentliches Gebäude: eine Tankstelle mit Bistro, das "Kracker Barrel", die Pizza verkauft – was will man auch mehr?

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White Pass bis Snoqualmie Pass

Washington on fire...

 

Am White Pass erfahren wir, dass der Rauch vom Norse Peak Feuer weiter nach Norden geweht wurde und der PCT wieder bis zum Chinook Pass geöffnet ist. Wir können also zwei Tage wandern, bis wir auf die Fire Closure treffen. Anschließend müssen wir eine Mitfahrgelegenheit um das Feuer finden. Da man am Chinook Pass keinen Handyempfang hat und der dortige Highway 410 gesperrt ist, verabreden wir uns bereits im Voraus mit Trailangel Scott, der anbietet, Hiker über die Forest Roads zu shutteln. Klingt nach einem Plan, also los!

 

Vom White Pass aus geht es hoch in die Mt. Rainier Wilderness. Mt. Rainier hat uns ja schon in der letzten Woche begleitet, jetzt ist er ganz nah, doch durch den Feuerrauch ist seine schneeweiße Spitze kaum zu erkennen. Der Trail schlängelt sich an Berghängen entlang und an zahlreichen blauen Seen in den Tälern. Bei einer erfrischenden Badepause entdecken wir einen großen Bären am gegenüberliegenden Ufer. Er frisst sich erst an den Blaubeeren satt und ruht sich dann im Schatten der Bäume aus. Wir sammeln ebenfalls Blaubeeren und genießen dann unsere neueste Lunchkreation: Tortillas mit Nutella und frischen Beeren, yummy!

 

Als wir am Chinook Pass ankommen, wartet bereits Trailangel Scott auf uns. Eigentlich wollten wir zum Tacoma Pass hochfahren und einen größeren Bogen um das Feuer machen, aber Scott meint, der PCT sei ab Ulrich's Cabin bei Goverment Meadows wieder geöffnet und auch besser zu erreichen. Die Infos der Feuerwehr bestätige dies. Also geht es nach Goverment Meadows. 

 

Wir zelten neben Ulrich's Cabin, einer kleinen Holzhütte im Wald. Abends zieht Rauch vom Feuer über die Wiesen, jedoch noch in einiger Entfernung. Als wir jedoch am nächsten Morgen aufwachen, liegt der Rauch dick über unserem Zelt. Wir packen rasch unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Je weiter wir laufen, desto rauchiger wird es. Eigentlich sollte es in Richtung Norden doch besser werden... Die Augen brennen und wir ziehen unsere Bufftücher über Mund und Nase, um in dem Qualm besser atmen zu können. Nach anderthalb Stunden und drei Täler weiter entscheiden wir umzukehren. Es gibt zwei Meilen hinter uns eine kleine Forest Road, die zum 15 Meilen entfernten Highway führt. Wir wandern den schmalen Schotterweg runter und schließlich passieren wir ein Schild, auf dem steht, dass die Straße bereits wegen dem Feuer geschlossen wurde. Wir nehmen eine andere Forest Road. Nach zwei Stunden kommen uns schließlich zwei Pick-Ups entgegen; Zwei Familien mit sieben Kindern und drei anderen Hikern, die ebenfalls vor dem Rauch geflüchtet sind. Die Fahrer sind super nett und bieten an, uns alle aus dem gesperrten Gebiet rauszubringen. Wir klettern auf die Ladeflächen und los geht's: in 3,5 Stunden über holprige Waldwege und zwei Pässe bis zum Snoqualmie Pass. Unterwegs können wir die lodernden Feuer in den Bergen sehen. Noch am selben Tag wird der PCT bis hoch nach Snoqualmie gesperrt. Puh!

 

Wir teilen uns zu viert ein Zimmer im Summit Inn und dann heißt es abwarten... Der kleine Skiort ist so verraucht, dass man die Berge nicht mehr erkennen kann. Zwei Dörfer weiter südlich werden evakuiert und man soll möglichst drinnen bleiben oder Atemmasken tragen. Apokalyptische Stimmung.

Was nun? Weiter nördlich, an der kanadischen Grenze, breitet sich das Diamond Creek Feuer aus und droht den PCT zu erreichen, etwa 10 Meilen nördlich von uns brennt das Alpine Lakes Feuer und hinter uns ist alles wegen dem Norse Peak Feuer gesperrt. Abbrechen?—Nein! Es sind doch nur noch 430 km bis zum Ziel... 

 

Am dritten Tag dreht der Wind und es wird langsam ein wenig besser, erstmals ist die Sonne wieder schwach hinter den grauen Rauchschleiern zu erkennen. Wir beschließen, weiter zu wandern und für 27 Meilen eine Alternativroute weiter westlich zu nehmen. Damit sollten wir das nächste Feuer sicher umlaufen können. Vor uns liegt die Alpine Lakes Wilderness – einer der schönsten (wenn nicht DER schönste) Abschnitt Washingtons. Drückt uns die Daumen, dass der Rauch nicht alles verdeckt...

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Snoqualmie Pass bis Stevens Pass

Perfektes Timing! Als wir Snoqualmie verlassen, ist das erste mal seit Tagen wieder die Sonne hinter den Rauchwolken zu sehen. Der Wind hat gedreht und pustet nun den Rauch zurück nach Osten und plötzlich zeigen sich herrlichste Bergpanoramen rund um den kleinen Skiort, der zuvor so bedrückend verraucht erschien. In drei Tagen soll der Wind wieder zurück drehen, also schnell los und das Zeitfenster nutzen.
Manchmal bereitet die Navigation in der Zivilisation jedoch mehr Schwierigkeiten als in der Wildnis. Es kostet uns doch tatsächlich anderthalb Stunden, um vom Snoqualmie Pass aus den Trailhead zum Snow Lake zu finden. Die Beschreibung des Hotelangestellten war etwas irreführend, und wir haben – gutgläubig wie wir sind – unsere Karten ignoriert und angenommen, die Einheimischen wissen schon wo's lang geht... Natürlich stellt man so einen Irrtum immer am Ende eines langen Abstiegs fest :-) 
 
Als wir endlich am Trailhead ankommen, beginnt sofort der nächste steile Aufstieg hoch zum Snow Lake. Wir blicken nochmal auf den (nun allzu gut bekannten) Ort hinunter, dann geht es über den ersten Pass und wir sind wieder vollends von der Wildnis umgeben. Vor uns liegt die Alpine Lakes Wilderness. Mit all ihren wunderschönen Seen. Und all ihren schroffen Bergen. 
Gegen Nachmittag erreichen wir Snow Lake. Die Wolken hängen tief und der See ist kaum unter dem weißen Dunst zu erkennen. Wir rasten am Ufer und baden im glasklaren Wasser. Auch die kleineren Tiere lieben den Bergsee: neben uns pfeift ein Pika (auch Pfeifhase genannt), sehr zutrauliche Vögel fischen im Wasser gleich zu unserer Linken und Streifenhörnchen rasen die Hänge hoch und runter. Ein Ort zum Verweilen... Aber wir wollen ja schließlich Kanada erreichen, also weiter.
Es folgt ein schotteriger Abstieg zum Burned River, der es wirklich in sich hat. Steinlavinen haben die steilen Serpentinen zum Teil verschüttet oder rutschige Abbruchkanten hinterlassen. Vorsichtigen Schrittes geht es hinunter, der Abstieg kostet uns mehrere Stunden. Ein paar Schlangen sind ebenfalls auf dem Weg ins Tal. Dann laufen wir noch einige Meilen durch eine dschungelartige, feuchte Landschaft bis zum brausenden Snoqualmie River.
Und um diesen Tag der Tierbegegnungen komplett zu machen, haben wir nachts auch noch Mausebesuch im Zelt. Eigentlich sind wir sehr vorsichtig und hängen pflichtbewusst jeden Abend unser Essen inklusive Zahnbürsten etc. in die Bäume – sowohl wegen der Bären als auch der Nager. Die Spitzmäuse haben es jedoch auf meine Klopapierrolle abgesehen. Zum Isolieren ihres Winterlagers, wie wir am nächsten Morgen feststellen dürfen. Sie beißen ein Loch in unser Innenzelt und transportieren so lange einzelne Fetzen ab, bis ich davon aufwache, dass etwas über meinen Arm läuft. Die Konsequenz: ein flauschiges Winterquartier für die Mausefamilie und fünf Tage kein Klopapier für mich.
 
Der nächste Tag bringt Regen mit sich. Ein echter Segen für die vielen Waldbrände! Auch wir freuen uns zunächst über die Abkühlung. Nach zwei Stunden auf dem überwucherten Trail sind die Schuhe jedoch klitschnass (Gore-Tex hilft nicht viel, wenn das Wasser beim Durchstreifen der Büsche von oben in die Stiefel rinnt), bei jedem Schritt hört man fröhliche Sabschgeräusche, und nach fast fünf Stunden und der Überquerung des windigen Dutch Miller Gaps sehnen wir uns die Sonne herzlichst zurück. Aber die lässt noch bis zum nächsten Mittag auf sich warten. Durch die Kondensfeuchtigkeit im Zelt und Dauerregen draußen trocknen unsere Socken und Klamotten natürlich nicht, also am nächsten Morgen wieder rein in die nasskalte Ausrüstung. Hach, ist das Outdoorleben nicht herrlich?
 
Nach einem weiteren Tag durch die Alpine Lakes Wilderness kann ich diese Frage wieder mit einem zutiefst überzeugtem JA! beantworten. Während sich der PCT die nächsten Tage kontinuierlich bergauf und bergab schlängelt, passieren wir einen See nach dem anderen und jeder für sich ist besonders: da wären beispielsweise die Deception Lakes hinter dem gleichnamigen Pass; der unglaublich klare Glacier Lake, umgeben von großen Felsen auf denen man sich wunderbar sonnen und die Stille genießen kann; die Hyatt Lakes, deren Ufer von grünen Wiesen und Wollgras umgeben sind; der kleine tiefblaue Trap Lake in mitten eines atemberaubenden Bergpanoramas oder Migs Lake, an dessen Ufer wir campen, umgeben von einem Meer aus überreifen Blaubeeren. Die Alpine Lakes Wilderness macht ihrem Namen wahrlich alle Ehre! 
 
Um zum Stevens Pass zu gelangen steigen wir schließlich noch einen langen Skihang hoch – der dritte Anstieg an diesem Tag, während neben uns der bequeme Sessellift zur Bergspitze seine Sommerpause ausharrt. Auf der anderen Seite geht's dann wieder fröhlich bergab bis zur kleinen Bergstation, dem Stevens Pass. Im Sommer ist die Gegend bei Mountainbikern sehr beliebt und auch jetzt, am Ende der Saison, rasen noch ein paar Biker die Hänge runter.
 
Bevor wir die nächste, sehr lange Etappe nach Stehekin in Angriff nehmen, werden wir einen Tag in Leavensworth "Klein Bayern" verbringen. Der Ort wurde einem bayrischem Dorf nachempfunden (oder der Idee, wie sich die Amerikaner ein bayrisches Dorf vorstellen). Sehr amüsant! Da am Wochenende der erste Schnee vorhergesagt ist, müssen die Laufshorts nun langsam gegen lange Hosen ausgetauscht werden. Außerdem wollen wir die Entwicklung des Diamond Creek Feuers checken, bevor es weiter geht. – Noch 200 Meilen (320 km) bis zum Ziel...
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Stevens Pass bis Kanada

Der letzte Abschnitt des PCTs führt uns zunächst in einer Woche vom Stevens Pass bis nach Stehekin, und von dort in weiteren 5,5 Tagen bis nach Manning Park, Kanada. 

 

Als wir Stevens Pass verlassen ist es noch sommerlich warm, doch schon kurz darauf sinken die Temperaturen rapide und die nächsten drei Tage genießen wir den farbprächtigen Indian Summer in den Bergen. Vor allem die Blaubeersträucher leuchten durch den ersten Frost nun in einem kräftigen Rostrot. Wir wandern durch die Glacier Peak Wilderness und weiter hoch zum Red Pass. Die weite Landschaft mit vielen Gletschern und Seen ist fantastisch. Außerdem können wir viele Tiere beobachten, die eifrig Gräser und Moose für ihr Winterlager sammeln. Besonders putzig ist ein erstaunlich zutrauliches Murmeltier, das immer wieder neugierig aus seinem Bau herauskommt und sich jedes mal etwas näher an uns heran wagt, bis es direkt neben uns sitzt.

 

Am dritten Abend treffen wir zwei andere Hiker, die wir zuletzt in Nordkalifornien gesehen haben. Sie erzählen, dass sie am Nachmittag einen Ranger getroffen haben, der sie vor Neuschnee in den Bergen gewarnt hat. Wir sind alle etwas besorgt, angesichts der plötzlich so kalten Temperaturen. Vor uns liegen noch drei große Berge und Pässe bis wir Stehekin erreichen.

Am darauf folgenden Tag haben wir gerade den ersten Aufstieg geschafft und blicken auf die gegenüberliegenden Gletscher, als der erste Regen einsetzt. Kurz darauf schüttet es wie aus Kübeln während wir uns an den langen Abstieg machen. Nach vier Stunden bauen wir klitschnass unser Zelt auf, kochen noch schnell draußen im Regen (im Zelt essen geht ja wegen den Bären nicht) und hoffen darauf, dass es am nächsten Tag besser wird...

Am nächsten Morgen wachen wir jedoch wieder zum Prasseln des Regens auf unserem Zeltdach auf. Als wir aus dem Zelt kriechen, sehen wir, dass die Berge mit Neuschnee bedeckt sind. Wir machen uns an den nächsten großen Aufstieg. Ab etwa 4500 feet verwandelt sich der Regen in Schnee. Verrückt, wo doch vor drei Tagen noch so sommerliche Stimmung herrschte! Meine angeblich wasserdichten Stiefel füllen sich zunehmendst mit Schmelzwasser – sie sind einfach schon viel zu durchgelaufen und zerlöchert, und die nächsten Morgende kostet es einige Überwindung bei Frost in die nasskalten Socken und Stiefel zu steigen. Der Regen hält drei Tag an. Wir machen kaum Pausen und versuchen beim Laufen warm zu bleiben. Es geht weiter über den letzten Berg vor Stehekin und dann in einem langen Abstieg über mehr als 30 km runter ins Tal. Nach einer Woche erreichen wir die High Bridge Ranger Station, von wo aus ein kleiner, roter Shuttlebus die 11 Meilen nach Stehekin fährt. 

 

Entlang des PCTs sind fast alle Orte sehr, sehr klein, aber hier in den North Cascades ist man wirklich in einer extrem abgeschiedenen Gegend. Stehekin ist ein verträumtes Örtchen inmitten wilder Natur und ab sofort ganz hoch auf der Liste meiner liebsten Orte! Um hierher zu gelangen, kann man entweder, wie wir, einige Tage lang über die Berge steigen oder aber auf dem Wasserwege anreisen; Straßen in andere Orte gibt es keine. Das beste an Stehekin ist jedoch der fanatastische Ausblick auf die umliegenden Berge und Lake Chelan, den größten natürlichen See Washingtons.

Einige Meilen außerhalb des Ortes hat ein Paar (ehemalige PCT Hiker, die sich ebenfalls in die Gegend verliebt haben) eine rustikale, urig eingerichtete Bäckerei eröffnet, in deren Auslage es allerlei frisch gebackene Pies, Kuchen und Herzhaftes gibt—alles ganz liebevoll gemacht, nicht die typische Auswahl der städtischen Bäckereiketten. Der Bus hält unterwegs eine viertel Stunde an der Bäckerei und macht uns hungrige Hiker damit sehr glücklich! 

Im Ort gibt es eine Lodge, deren Rezeption zugleich der General Store ist, ein Post Office und ein Nature Center. Hiker dürfen umsonst campen und in einem kleinen gelben Holzhaus stehen Waschmaschine, Trockner und eine Dusche zur Verfügung. Wir bleiben einen Tag, trocknen unsere Ausrüstung und Klamotten und genießen die wundervolle Aussicht auf Lake Chelan von der großen Veranda vor dem Store aus. Im Post Office wartet außerdem unser letztes Versorgungspaket. 

Dann geht es weiter: die letzte Etappe nach Kanada. 

 

Von der High Bridge Ranger Station führt der Trail 25 Meilen lang kontinuierlich bergauf. Am zweiten Morgen passieren wir Rainy Pass — zum Glück bei Sonnenschein. Dann geht es weiter hoch auf einen spektakulären Pass mit dem ermutigenden Namen Cutthroat Pass. Wir genießen noch einen Tag das trockene, aber auf den Hochebenen sehr kalte Wetter, bevor es auf dem Weg zum Harts Pass wieder zu regnen anfängt. Es ist, als würde uns das Wetter sagen wollen: los jetzt, Zeit in Kanada anzukommen! Am Harts Pass gibt es eine kleine Ranger Station mit Camp, wo wir eine eisige Nacht verbringen. Die Schlafsäcke werden einfach nicht mehr richtig trocken. Obendrein schließen nun auch die Reißverschlüsse unseres Innenzelts nicht mehr und somit teilen wir unser Lager regelmäßig mit Mäusen und diesen langbeinigen Waldspinnen. 

 

Nach dem Aufstieg über Harts Pass folgt eine schöne alpine Strecke mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel. Die Wolken hängen so tief, dass man zwischenzeitlich komplett im Nebel steckt und die Luft ganz nass ist. Wir zelten relativ hoch, zusammen mit ein paar anderen Hikern. Am nächsten Morgen wachen wir in dickem Nebel auf, doch sobald wir zusammengepackt haben und ein paar hundert Meter aufgestiegen sind, befinden wir uns plötzlich über den Wolken in herrlichstem Sonnenschein. Unser vorletzter Tag auf dem Trail beschenkt uns mit einem blauen, klaren Himmel und einer wunderschönen Strecke entlang der zackigen Bergmassive der North Cascades, die den Abschied nicht gerade leichter macht... 

Dann geht es runter zum Northern Terminus, einem hölzernen Monument, das auf der Grenze zwischen den USA und Kanada steht und das nördliche Ende des PCTs markiert. Es sieht genauso aus wie sein Gegenstück an der mexikanischen Grenze, wo wir vor fünfeinhalb Monaten gestartet sind, nur diesmal eben mit kanadischer Flagge. Der Grenzstreifen selbst besteht einfach aus einer etwa 5 Meter breiten, in den Wald geschlagenen Schneise, lustig. Neben dem Monument liegt das vom Regen durchweichte PCT Thruhiker Register, in dem auch wir uns nun verewigen. "PCT 2017 — Ice & Fire" ist das diesjährige Motto, natürlich :-)

 

Wer kein Thruhiker Permit für Kanada hat, muss an dieser Stelle umdrehen und zurück zum Harts Pass laufen. Für alle anderen sind es noch 8 Meilen bis nach Manning Park. Wir campen kurz hinter dem Monument auf kanadischer Seite und laufen die letzten 8 Meilen in aller Stille am nächsten Morgen. Einmal geht es noch rauf in die Berge und durch den schönen Herbstwald. Dann stehen wir vor der Tür des Manning Park Resorts. Und damit ist es geschafft!!! 

 

Fünfeinhalb Monate in der Natur — was für ein unvergessliches Abenteuer. Wir sind super glücklich, es hierher geschafft zu haben und unendlich dankbar für diese intensive Zeit in der Wildnis, all die wunderbaren Begegnungen mit anderen Hikern, Trailangeln und den vielen hilfsbereiten und offenherzigen Menschen, die uns unterwegs begegnet sind. 

Einerseits freuen wir uns riesig auf unsere Freunde und Familie daheim und andererseits wünschten wir, wir könnten einfach immer weiter wandern...

 

Thanks so much, PCT 2017!!!

 

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