Acton bis Tehachapi

Diese Etappe führt uns durch das heißeste Stück des PCTs. Entlang der Ausläufer der Mojave Desert geht es durch überwiegend sandige, hügelige Landschaft. Immer wieder blicken wir nach den Aufstiegen runter in die riesige, weite Mojave. Die flachen Ebenen der Wüste werden zur Solar- und Windenergiegewinnung genutzt. Die Wasserquellen liegen weit auseinander und wir müssen gut vorausplanen. Zum Glück gibt es auf dieser heißen Etappe aber auch viele Trailangel, die uns Hiker unglaublich liebenswert unterstützen. 

 

Nachdem wir Acton verlassen haben, kommen wir zunächst nach "Hiker Heaven", dem Zuhause der Saufleys. In dem gut organisierten Camp im Garten dürfen Thruhiker sich ausruhen, die Dusche benutzen und die Helfer waschen sogar unsere dreckige Wäsche. - Was für ein Service! Es gibt Zelte mit Ladestationen für elektronische Geräte, eine Nähmaschine zur Reparatur kaputter Ausrüstung und einen Kühlschrank mit kalter Soda. Die Hiker dürfen alles umsonst nutzen; In der Garage steht ein kleiner rosa Keramiktopf für Spenden, in den jeder unauffällig einen für ihn/sie passenden Betrag wirft.

 

Am nächsten Morgen geht es wieder raus in die Wüste und innerhalb kürzester Zeit sind wir wieder dreckig und durchgeschwitzt, der Staub klebt nur so an den Beinen und kriecht in jede Ecke unserer Ausrüstung. Wir laufen nun immer sehr früh los und legen lange Mittagspausen ein, denn die Sonne brennt einfach erbarmungslos und es gibt kaum Schatten. Schon um 8 Uhr morgens steigt das Thermometer über 30°C. Der Trail schlängelt sich in vielen ausschweifenden Kurven die Berghänge hoch und wieder runter. Vor uns wuseln die Echsen durch den Sand. Außerdem lebt hier eine besondere Art der Klapperschlange, die Mojave Green Rattle Snake, die sehr aggressiv sein soll, also Augen auf!

 

Der nächste Anlaufpunkt ist die "Casa de Luna" in Green Valley. Hier leben Terry und Joe Anderson, die seit 18 Jahren PCT Hiker in ihrem bunten Zuhause willkommen heißen. Zur Begrüßung gibt es, dreckig wie wir sind, erstmal eine herzliche Umarmung von Terry. Dann wird jeder in ein Hawaii-Shirt gesteckt. Im Vorgarten der "Hippie Daycare" gibt es eine große Chillout Area mit Sofas und Hängematten. Hinter dem Haus erstreckt sich ein langes Waldstück, wo wir unsere Zelte aufstellen dürfen. Wir genießen die entspannte Atmosphäre, nutzen die frische Gartendusche und tauschen uns bei Gitarrenmusik mit den anderen Hikern aus. Wer mag, kann sich die Zeit damit vertreiben, einen Stein mit Acrylfarben zu bemalen und diesen im Wald als Erinnerung aufzustellen. Die vielen individuell bemalten Steine anderer Hiker schmücken bereits das Grundstück. Auf einem großen Bettlaken an der Hauswand sollen alle Hiker unterschreiben und die Andersons machen ein Gruppenfoto zur Erinnerung ...für lachende und verblüffte Gesichtsausdrücke sorgt die alte Terry, als sie uns kurzerhand ihren nackten Hintern präsentiert. Abends gibt es den berühmten Taco Salat der Andersons, zum Frühstück Pancakes und frischen Kaffee. Was für ein herrlicher Ort!

 

Morgens fährt uns Terry zurück zum Trail. Die Sonne brutzelt und wir stapfen weiter. Am nächsten Tag passieren wir auf einer Hügelkuppe den 500 Meilen (800 km) Marker, jetzt haben wir sozusagen Deutschland einmal durchquert. 

 

Nach zwei weiteren Tagen erreichen wir gegen Mittag "Hiker Town". Mitten in der Wüste steht ein kleines Westerndorf, zusammengebaut aus alten Filmrequisiten und selbst gezimmerten Saloons. Die Hiker können sich einen Schlafplatz in einem der Gebäude suchen. Alles ist etwas schrottig und dreckig, ein absolut verrückter Ort. Wir rollen unsere Schlafsäcke in einer Scheune mit alten Sofas und Matratzen aus und schlafen ein paar Stündchen. 

Um 3 Uhr morgens müssen wir weiterlaufen, denn an diesem Tag liegen 39 km über das L.A. Aquaduct vor uns. Unterwegs gibt es keine Campingmöglichkeit und wir passieren privates Land der etwas speziellen Desert People, das heißt, wir müssen die Strecke in einem Stück laufen. Um der größten Hitze zu entgehen, starten wir mit Stirnlampen gerüstet nachts. Uns begegnen in der Dunkelheit zwei Wildhunde, die aber friedlich wirken. Tags darauf erfahren wir von einem Hiker, der mit seiner Hündin Cora unterwegs ist, dass die Wildhunde ihn angegriffen haben - zum Glück ist er mit einem eher harmlosen Biss ins Bein davon gekommen. Gegen 5 Uhr werden wir mit einem farbenprächtigen Sonnenaufgang belohnt. Die Kakteen heben sich schwarz vor der Morgenröte ab, kurz darauf färbt sich die Landschaft orange und rosa und dann ist auch schon die gewohnte Wüstensonne über den Horizont gestiegen. Der Trail zieht sich schier endlos durch die weite Mojave Wüste. Nachdem das flache Aquaduct endlich geschafft ist, durchqueren wir eine riesige Windfarm. Gegen Abend steht noch ein Aufstieg an. Schließlich erreichen wir mit schmerzenden Füßen einen schönen Platz zum Zelten an einem Bach in einem geschützten Canyon. Wir kochen uns Trekkingessen und fallen todmüde ins Zelt.

 

Am nächsten Tag stehen noch knappe 27 km an, bevor wir Tehachapi erreichen. Morgens laufen wir erstmal lange Zeit steil bergauf über eine Bergkette. Am höchsten Punkt überrascht uns ein älteres Pärchen, die mit ihrem Jeep hier hochgefahren sind. Sie haben einen Pausenplatz an einem 400 Jahre alten Baum eingerichtet und verteilen Wasser, Orangen und Kekse an die Hiker. Die beiden wohnen sehr einsam hier draußen in der Wüste und erzählen uns, dass sie sich freuen, die Hiker aus aller Welt zu treffen. Danach geht es noch einmal durch eine weitere Windfarm mit unzähligen Windkraftanlagen und zuletzt einige Meilen bergab an den Highway. 

Nach insgesamt knapp über 900 km auf dem PCT erreichen wir Tehachapi, unseren nächsten Resupply Punkt. Next Stop: Kennedy Meadows, das Ende der Wüste und der Beginn der Sierra...

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Kommentare: 3
  • #1

    Sabine (Montag, 29 Mai 2017 09:31)

    Habe schon gespannt auf euren neuen Blog gewartet.Wie immer super interressant
    geschrieben und tolle Fotos.Freu mich für euch,dass ihr die Wüstenstrecke bald
    geschafft habt.
    Liebe Grüße
    Sabine/Mama

  • #2

    Bille (Dienstag, 30 Mai 2017 21:27)

    Euer neuer Blog ist wie immer super spannend zu lesen und die Fotos sind ein Traum. Bin in Gedanken bei euch und freue mich dass ihr bald die Strapazen der Wüste bewältigt habt.
    Take care.
    Lieben Gruß,
    Bille

  • #3

    Nico & Yvi (Donnerstag, 01 Juni 2017 16:07)

    Hey Ihr Drei, endlich mal wieder News aus der Wüste.
    Ich seh schon, die Hippies haben euch voll im Griff ;-)). Geniesst die Freiheit und das tägliche Draussen sein, eure Bilder sind fantastisch.

    Liebe Grüße, Nico

 

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