Ashland bis Burney

Unser nächster Abschnitt startet mit einem kleinen Roadtrip: Von Bishop aus mieten wir ein Auto und fahren ca. 800 km hoch nach Ashland, um von dort aus wieder zurück nach Süden zu laufen und so hoffentlich den schlimmsten Flussquerungen und Schneemassen zu entgehen. Wir haben Glück und ergattern den letzten verfügbaren Leihwagen. Durch die krasse Wetterlage in der Sierra Nevada fahren die meisten Hiker ebenfalls in Richtung Norden. Wir legen noch einen Café Stop in Mammoth ein und treffen dort Ida aus Schweden, eine andere Thruhikerin, die hier eine Woche pausiert. Die Strecke führt durch wunderbare Landschaften und zur Linken sehen wir die hohen, schneebedeckten Bergmassive der Sierra, die wir in den nächsten Wochen überqueren müssen. 

 

In Ashland füllen wir unsere Bärenkanister mit neuer Verpflegung. Der Platz ist limitiert und unser Hunger bekanntlich groß und so spielen wir immer wieder Tetris, bis sich der Kanister endlich schließen lässt. Kleine Lücken werden mit einzelnen Bonbons oder M&Ms gestopft. Wir verbringen die Nacht im Zelt im Garten von Callahan's, einer schicken Lodge nahe des Trails. Die Hochzeitsgesellschaft, die in den schönen Zimmern untergebracht ist, hat vermutlich einen interessanten Ausblick auf unser buntes Lager unter der Restaurantterrasse.

Am nächsten Morgen hiken wir raus. Die Sonne scheint und der PCT schlängelt sich kontinuierlich hoch auf den Mount Ashland. Wir blicken in grüne Täler und ahnen noch nicht, was uns einige Meilen später erwartet. Nach einer Nacht im Wald steigen wir wieder auf über 2.000 m auf, folgen einer Bergkette und stecken mit einem Mal im Schnee. Soviel zu unserem Plan, dem Winter zu entkommen... Der Trail verläuft nun an steilen Hängen entlang, die noch immer unter mehreren Metern Schnee begraben sind. Die warme Sonne lässt die Oberfläche antauen, sodass unsere Schuhe im Nu klitschnass sind, während der Trail auf der Nordseite der Berge vereist und glatt ist. Zum Glück haben wir unsere Mikrospikes dabei. Dennoch ist es sehr beschwerlich, an den abfallenden Hängen den nötigen Grip zu bekommen. Auf den flacheren Bergrücken ist der PCT gar nicht mehr zu erkennen und wir navigieren mit GPS. Zum Teil weichen wir auf Forstwege aus, die zwar auch tief verschneit, aber dafür nicht so steil sind. Insgesamt kommen wir nur langsam voran und das rutschige Gekraxel macht sich nach einigen Meilen in den Gelenken bemerkbar. Malin rutscht an einem steilen Hang aus und schlittert das Schneefeld runter; Sie nimmt ordentlich Geschwindigkeit auf, sodass sie selbst auf dem matschigen Waldboden darunter nicht stoppen kann. Nach einigen Metern bremst dann ein umgestürzter Baum die Rutschpartie. Nasse Schuhe, nasser Hintern... auch das ist Kalifornien im Sommer!

 

Am dritten Tag erreichen wir wieder schneefreies Gelände. Nach einem langen, anstrengenden Wandertag trotte ich den schmalen Trail entlang, als es plötzlich rechts im Gehölz laut kracht. Ein Schwarzbär bricht unvermittelt aus dem Wald und steht direkt vor mir, nur 3 m entfernt, auf dem Weg. Wir starren uns beide überrascht an. Dann tritt Malin auf einen morschen Ast und der Bär macht einen Sprung und läuft davon. Wow, unser erster PCT Bär!

Hinter Castella, einige Tage später, haben wir dann gleich noch eine Bärenbegegnung. Diesmal sichten wir zunächst ein dunkelbraunes Bärenjunges, das vom Trail aus die Böschung hoch läuft. Kurz darauf entdecken wir noch ein zweites hellbraunes Junges und die Mama. Die drei Tiere beobachten uns aus etwa 10 m Abstand vom Berghang hinunter. Mit Rufen, Geklatsche und sogar schrägem Gesang versuchen wir sie zu vertreiben - vergebens. Allerdings ist das Muttertier ganz entspannt und so bleibt uns letztlich nichts anderes übrig, als vorsichtig an den Bären vorbei zu gehen.

 

Weniger spektakulär, aber dafür umso lästiger sind die Milliarden Moskitos, die uns jetzt täglich auflauern. In den waldigen Gebieten, die bereits schneefrei sind, wimmelt es nur so vor den Blutsaugern. Abends im Camp ist es zum Teil so schlimm, dass wir trotz Hitze mit Regenklamotten ums rauchige Lagerfeuer sitzen und versuchen, unser Essen schnell unter dem Kopfnetz hindurch in den Mund zu schieben. Trotz allem zähle ich nach dieser Etappe 145 Stiche!

 

Die letzten Tagen erreicht uns dann eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 45°C. Selbst abends kühlt es nicht merklich ab. In den Mittagspausen rasten wir oft an brausenden Flüssen, die herrlich eisig sind vom schmelzenden Schnee aus den Bergen. Es ist schon ein verrücktes Gefühl: mit den Füßen steckt man in Eis und Schnee und von oben brennt die kalifornische Sonne auf einen runter. Eigentlich müsste der Schnee doch in kürzester Zeit geschmolzen sein...?

 

Kurz vor Burney führt der PCT durch den McArthur-Burney Falls Memorial State Park. Wir bestaunen dort große Wasserfälle, die "Burney Falls", und freuen uns anschließend auf einen entspannten Tag in der Mountain Guest Ranch mit allem, was Hiker brauchen: Duschen, einer Waschmaschine und viiiel Essen...

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Kommentare: 3
  • #1

    Sabine (Mittwoch, 28 Juni 2017 15:14)

    Bei den Bildern wird man ganz neidisch!Weiterhin einen tollen Trip und
    liebe Grüße von daheim.
    Mama

  • #2

    Nico & Yvi (Donnerstag, 29 Juni 2017 16:19)

    Was für ein Glück das Malin bei ihrer Rutschpartie nix passiert ist.
    Es freut uns immer riesig, an euren Abenteuern teilzuhaben, und wir geniessen die vielen Bilder :-)

    Seid ganz doll gedrückt, Nico und Yvi

  • #3

    lost & found (Donnerstag, 29 Juni 2017 17:28)

    Ich bin begeistert von euren Beitrag und den Bildern und drücke euch weiterhein beide Daumen.
    Liebe Grüße euer lost & found

 

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