Kennedy Meadows bis Lone Pine

Kennedy Meadows ist der letzte Versorgungspunkt vor der High Sierra. Hier tauschen wir unsere Wüstenausrüstung gegen das Schneeequipment. Wir haben unter anderem unsere Bärenkanister, Spikes, Schneeteller für die Trekkingstöcke und warme Klamotten hierher geschickt. Alle Hiker sind am umpacken, planen und organisieren. Groß ist der Ort nicht; hinter dem General Store, der auch die Pakete für die Hiker annimmt, liegt ein Waldstück, in dem man umsonst zelten darf. Es gibt einen Wassertank mit angeschlossener Outdoordusche (die gerade außer Betrieb ist), eine Feuerstelle und einen Stromgenerator am Store. Handyempfang gibt es nicht. In 3 Meilen Entfernungen befindet sich außerdem noch das "Grumpy Bear" Diner. Ein Pick-Up Shuttle holt uns Hiker am nächsten Morgen zum Frühstück ab. Neben Eiern und Bacon bekommen wir die riesigsten Pancakes serviert, die ich je gesehen habe. Dick und golden gebacken hängen sie über den Tellerrand. Eigentlich gibt es ein All-you-can-eat Angebot, aber selbst ein einziger Pancake ist trotz Hikerhunger nicht zu schaffen! 

 

Gesprächsthema Nummer 1 im Camp ist die aktuelle Schneesituation in den Bergen. Dieses Jahr ist so ungewöhnlich viel Schnee gefallen, dass viele Bergmassive noch meterweise unter Schnee begraben sind. Obendrein sorgt die späte Schmelze dafür, dass die Flüsse so tief und reißend sind, dass das Durchwaten (oder gar Schwimmen) sehr gefährlich ist. Daher herrscht auch etwas Abschiedsstimmung. Viele Hiker, die wir in den letzten Wochen getroffen haben, beenden ihre Tour hier aufgrund des Schnees. Andere wollen abwarten oder die Sierra komplett auslassen. Nur wenige gehen weiter. Wir entscheiden, das erste Stück bis nach Lone Pine zu laufen. Von dort wollen wir dann jedoch flipfloppen: d.h. nach Ashland hochfahren und in südliche Richtung zurück nach Lone Pine laufen. Bis wir in einigen Wochen wieder hier ankommen ist hoffentlich der meiste Schnee geschmolzen und der Trail offen. Soweit zumindest der Plan...

 

Nach einem Abschiedsfrühstück setzen wir die nun sehr schwer bepackten Rucksäcke auf und beginnen den Aufstieg in die Sierra. Wow, was für ein Bild! Schnell gewinnen wir an Höhe und bestaunen die vor uns liegenden Pässe und das viele Grün. Überall sind Flüsse und Quellen mit frischem Wasser - nach 2 Monaten in der trockenen Wüste können wir uns gar nicht genug darüber freuen. Die Zeiten mit bis zu 6 Litern Wasser im Gepäck sind vorbei! 

Ab 3000 m Höhe treffen wir auf die ersten größeren Schneefelder. Der Trail ist zum Teil recht steil und wir schieben uns die Hänge Schritt für Schritt hoch. Die grandiosen Ausblicke von den Pässen machen jedoch jede Anstrengung wieder wett. Nachts wird es richtig kalt und friert. Wir schlafen in unseren Daunenjacken und kriechen schon früh in die Schlafsäcke.

Bei einer Rast an einem kleinen Bach werden wir von einer Truppe Murmeltiere, die sich auf den Felsen sonnen, beim Wasserfiltern beobachtet.

 

Nachdem wir unseren bisher höchsten Pass überquert haben, nehmen wir den Abzweig nach Lone Pine. Wir hoffen, von einem Wildniscampground aus eine Mitfahrgelegenheit runter in den Ort zu bekommen. Allerdings ist der Platz total verlassen als wir dort ankommen. Wir beschließen nach einer Weile die Straße runterzulaufen...es sind ja nur schlappe 35 km. Nach anderthalb Stunden kommt tatsächlich ein Auto vorbei. Der nette Fahrer ist ein ehemaliger PCT Hiker und stoppt für uns. Juhu! Wir quetschen uns zu fünft mit unseren Rucksäcken auf dem Schoss in seinen Kleinwagen und fahren noch 40 Minuten die steilen Serpentinen über 2000 m hinunter nach Lone Pine. Wie immer an unseren "town days" stürmen wir als erstes ausgehungert die nächste Essensbude - Berge besteigen macht wirklich sehr, sehr hungrig!

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Sabine (Freitag, 16 Juni 2017 12:39)

    Super !! Wüste geschafft. Geniesst die kühle Luft und die
    wunderbare Natur.Denk an euch,liebe Grüße Mama/Sabine

  • #2

    Holger (Freitag, 16 Juni 2017 13:06)

    Ich will auch so einen Pfannkuchen! An Bord sind die immer viiiiel kleiner!

  • #3

    Anke und Rudolf (Samstag, 17 Juni 2017 13:37)

    Es ist ja großartig, was ihr so leistet! Wir sind begeistert von euren Berichten und erfreut, dass ihr offenbar alles so verkraftet. Schreibt bald wieder, man wird süchtig nach neuen Berichten und Bildern !
    Liebe Grüße Anke und Rudolf

  • #4

    Olli (Mittwoch, 21 Juni 2017 06:29)

    Bitte KEINE Berichte mehr! � Das Fernweh wird einfach zu groß für einen feriengebundenen Beamten... Schön, dass es euch gut geht! Wir denken ständig an euch! @the_wild_ways

  • #5

    Jani (Dienstag, 04 Juli 2017 16:54)

    Huhu!
    Huiii, kurz entführt durch euren blog von der freiburgerlich warmen terasse mit katze aufm schoss, nudelteller daneben und uni im nacken ... inspiriert weiter durch eure bunten erlebnisse mich und alle anderen, ich freu mich auf mehr! (Und vor allem auf hennings ankunft hier, auch wenn er bestimmt noch ewig weiterwandern will...) liebste grüüüüüsse, Jani

 

Folge uns auf Instagram.