Sisters bis Cascade Locks

Es stellt sich als garnicht so einfach heraus, von Sisters aus um die Feuersperrung bei Mt. Jefferson herum zurück zum Trail zu kommen. Nach einiger Suche haben wir Glück und die Trailangel Joey und Bill bieten uns eine Mitfahrgelegenheit gen Norden an. Die beiden kommen eigentlich aus Nashville, machen gerade Urlaub in Oregon und sind ganz aufgeregt, PCT-Hiker kennenzulernen. Wir tauschen unterwegs Geschichten aus und die beiden bestehen darauf, uns nicht nur wie vereinbart am Highway rauszusetzen, sondern komplett bis an den Trailhead zu fahren. Das bedeutet einen Umweg von einer Stunde über Schotterpisten im Wald. Nach ca. 20 Minuten treffen wir auf eine Straßensperre. Bill lässt sich davon jedoch nicht aufhalten und fährt über die mit Schlaglöchern übersäte Straße weiter, bis vor uns ein Bauarbeiter auf einer Walze auftaucht. Aufgrund der vielen Waldbrände werden die Forest Roads in diesem Gebiet verbreitert, als Brandschneisen, um die Feuer einzudämmen. Nach kurzem Hin und Her (ja, wir wollen nur zum PCT...) sagt Bauarbeiter George "Ok, just follow me!", fährt mit rasanten 5 km/h vor und ebnet uns völlig entspannt mit seiner Walze den Weg. Danke George! Nach insgesamt 3 Stunden erreichen wir endlich den Trail hinter der Feuersperrung. Joey und Bill platzt leider noch ein Reifen auf dem Rückweg. - Es ist zum Glück ein Mietwagen und die Reparatur unterwegs ist sogar umsonst. Trotz allem freuen sich die beiden über unsere kleine Abenteuerfahrt. Oder wie Joey sagt: "Whereever we go, good things wait ahead and magic follows!"
 
Zurück auf dem PCT. Nach der holprigen Fahrt wandern wir noch einige Meilen und schlagen dann unser Lager auf. Nachts zieht ein Gewitter auf. Der nächste Tag ist grau und nass. Wir frieren in unseren Laufshorts und machen kaum Pausen, da es einfach zu ungemütlich ist. Umso mehr freuen wir uns über den spontanen Besuch von Flatfoots Cousine Joanna. Sie lebt nicht weit von hier und begleitet uns für ein paar Stunden auf dem Trail. In dieser Gegend gibt es einige Forest Roads, die den PCT kreuzen, über die sie uns erreichen kann. Wir beenden den grauen Tag mit einem gemütlichen Lagerfeuer, Pizza von Joanna und netten Gesprächen. 
 
Weiter geht es zum Mt. Hood, dem höchsten Berg Oregons. Wir verlassen den dichten Wald und wandern durch Blumenwiesen auf den markanten Berg zu. Auf etwa halber Höhe befindet sich die Timberline Lodge, die sowohl bei Hikern als auch Wintersportlern beliebt ist. Der Weg wird immer sandiger, je weiter wir hochsteigen und zu unserer Rechten haben wir einen tollen Ausblick auf die weißen Gletscher und einen rauschenden Fluss unten in der schroffen Talschneise. Am Abend bauen wir unser Zelt kurz vor der Lodge auf und genießen einen farbprächtigen Sonnenuntergang über Mt. Hood und gegenüber "Alpenglühen" über Mt. Jefferson.
 
Was wir uns einfach nicht entgehen lassen können, ist das leckere Frühstücksbuffet in der Timberline Lodge. Frische Waffeln, Obst, Salate, French Toast und Rüherei...das ist mal eine willkommene Abwechslung zu Müsli aus dem Ziplock-Beutel. Und das Beste daran: es ist ein All-you-can-eat Buffet! Und niemand kann es am Buffet mit Thru-Hikern aufnehmen... 
 
Glücklich und satt machen wir uns anschließend an die letzten 80 km durch Oregon. Das Wetter ist durchwachsen, nicht mehr so heiß wie zu Beginn und gelegentlich regnet es sogar. Der Trail verläuft weiter um Mt. Hood herum, vorbei an Wasserfällen und grünen Tälern. Unser Ziel, Cascade Locks, ist der tiefste Punkt des PCTs und wir beenden diese Etappe mit einem 16 km langen Abstieg. Während wir uns in Serpentinen den Berg runterschlängeln, sehen wir bereits unter uns den breiten Columbia River und darüber die Bridge of the Gods - die Grenze zu Washington. Damit ist Oregon geschafft!

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Kommentare: 4
  • #1

    Joey MF Williams (Samstag, 19 August 2017 23:06)

    Ladies!!' Y'all are pillars of strength and inspiration!!! Just for the record, we never mentioned WHY we had a flat. It just worked out that they fixed it free!!! In my own words, where we go Magic follows!!!!!!
    Best of luck beautiful souls!!!!

  • #2

    Sabine (Sonntag, 20 August 2017 14:58)

    ....ihr strahlt in eurem Bericht so viel Freude an eurem Hike aus,
    dass man sich gleich anschliessen möchte.
    Liebe Grüsse
    Mama

  • #3

    lost & found (Montag, 21 August 2017 10:57)

    Tolle Fotos und ein ebenso toller Bericht. Ich wünsche euch für Washington Glück, Gesundheit und das der Wettergott euch gut gesonnen ist.

  • #4

    Anke&Rudolf (Mittwoch, 23 August 2017 22:27)

    Hi ihr zwo, es ist immer wieder so spannend, eure Berichte zu lesen! Wir wünschen euch weiterhin helfende Engel unterwegs und beste Kondi zu Bewältigung der nächsten Strecken. Danke für eure Berichte und Fotos, Amerika kann so schön sein - außerhalb der politischen Szene! Ganz liebe Grüße aus Eimsbüttel

 

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