White Pass bis Snoqualmie Pass

Washington on fire...

 

Am White Pass erfahren wir, dass der Rauch vom Norse Peak Feuer weiter nach Norden geweht wurde und der PCT wieder bis zum Chinook Pass geöffnet ist. Wir können also zwei Tage wandern, bis wir auf die Fire Closure treffen. Anschließend müssen wir eine Mitfahrgelegenheit um das Feuer finden. Da man am Chinook Pass keinen Handyempfang hat und der dortige Highway 410 gesperrt ist, verabreden wir uns bereits im Voraus mit Trailangel Scott, der anbietet, Hiker über die Forest Roads zu shutteln. Klingt nach einem Plan, also los!

 

Vom White Pass aus geht es hoch in die Mt. Rainier Wilderness. Mt. Rainier hat uns ja schon in der letzten Woche begleitet, jetzt ist er ganz nah, doch durch den Feuerrauch ist seine schneeweiße Spitze kaum zu erkennen. Der Trail schlängelt sich an Berghängen entlang und an zahlreichen blauen Seen in den Tälern. Bei einer erfrischenden Badepause entdecken wir einen großen Bären am gegenüberliegenden Ufer. Er frisst sich erst an den Blaubeeren satt und ruht sich dann im Schatten der Bäume aus. Wir sammeln ebenfalls Blaubeeren und genießen dann unsere neueste Lunchkreation: Tortillas mit Nutella und frischen Beeren, yummy!

 

Als wir am Chinook Pass ankommen, wartet bereits Trailangel Scott auf uns. Eigentlich wollten wir zum Tacoma Pass hochfahren und einen größeren Bogen um das Feuer machen, aber Scott meint, der PCT sei ab Ulrich's Cabin bei Goverment Meadows wieder geöffnet und auch besser zu erreichen. Die Infos der Feuerwehr bestätige dies. Also geht es nach Goverment Meadows. 

 

Wir zelten neben Ulrich's Cabin, einer kleinen Holzhütte im Wald. Abends zieht Rauch vom Feuer über die Wiesen, jedoch noch in einiger Entfernung. Als wir jedoch am nächsten Morgen aufwachen, liegt der Rauch dick über unserem Zelt. Wir packen rasch unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Je weiter wir laufen, desto rauchiger wird es. Eigentlich sollte es in Richtung Norden doch besser werden... Die Augen brennen und wir ziehen unsere Bufftücher über Mund und Nase, um in dem Qualm besser atmen zu können. Nach anderthalb Stunden und drei Täler weiter entscheiden wir umzukehren. Es gibt zwei Meilen hinter uns eine kleine Forest Road, die zum 15 Meilen entfernten Highway führt. Wir wandern den schmalen Schotterweg runter und schließlich passieren wir ein Schild, auf dem steht, dass die Straße bereits wegen dem Feuer geschlossen wurde. Wir nehmen eine andere Forest Road. Nach zwei Stunden kommen uns schließlich zwei Pick-Ups entgegen; Zwei Familien mit sieben Kindern und drei anderen Hikern, die ebenfalls vor dem Rauch geflüchtet sind. Die Fahrer sind super nett und bieten an, uns alle aus dem gesperrten Gebiet rauszubringen. Wir klettern auf die Ladeflächen und los geht's: in 3,5 Stunden über holprige Waldwege und zwei Pässe bis zum Snoqualmie Pass. Unterwegs können wir die lodernden Feuer in den Bergen sehen. Noch am selben Tag wird der PCT bis hoch nach Snoqualmie gesperrt. Puh!

 

Wir teilen uns zu viert ein Zimmer im Summit Inn und dann heißt es abwarten... Der kleine Skiort ist so verraucht, dass man die Berge nicht mehr erkennen kann. Zwei Dörfer weiter südlich werden evakuiert und man soll möglichst drinnen bleiben oder Atemmasken tragen. Apokalyptische Stimmung.

Was nun? Weiter nördlich, an der kanadischen Grenze, breitet sich das Diamond Creek Feuer aus und droht den PCT zu erreichen, etwa 10 Meilen nördlich von uns brennt das Alpine Lakes Feuer und hinter uns ist alles wegen dem Norse Peak Feuer gesperrt. Abbrechen?—Nein! Es sind doch nur noch 430 km bis zum Ziel... 

 

Am dritten Tag dreht der Wind und es wird langsam ein wenig besser, erstmals ist die Sonne wieder schwach hinter den grauen Rauchschleiern zu erkennen. Wir beschließen, weiter zu wandern und für 27 Meilen eine Alternativroute weiter westlich zu nehmen. Damit sollten wir das nächste Feuer sicher umlaufen können. Vor uns liegt die Alpine Lakes Wilderness – einer der schönsten (wenn nicht DER schönste) Abschnitt Washingtons. Drückt uns die Daumen, dass der Rauch nicht alles verdeckt...

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Kommentare: 5
  • #1

    Catharina (Freitag, 08 September 2017 13:16)

    Ihr Lieben, das hört sich ja weniger schön an. Ich drücke Euch die Daumen, dass es mit dem Qualm besser wird! Das Photo mit der Grossgruppe gefällt mir gut! Liebe Grüsse von Salamander Mami

  • #2

    lost & found (Samstag, 09 September 2017 12:51)

    Na klar! Ich drücke euch weiterhin die Daumen. Viel Glück.
    Grüße von lost & found und Mama.

  • #3

    Bille (Samstag, 09 September 2017 16:14)

    Was für eine Herausforderung. Es wird euch nicht leicht gemacht. Aber ihr schafft die letzen Meilen. I'll keep my fingers crossed. LG Bille

  • #4

    Salamander (Samstag, 09 September 2017 22:32)

    Viele Grüße von Honeybee und Django! Wir drücken euch die Daumen!!!

  • #5

    Anke &Rudolf (Dienstag, 12 September 2017 09:35)

    Oha, da bleibt einem ja schon beim Lesen die Luft weg, wie mag es euch dabei gegangen sein!?
    Wer so tough ist, schafft den "kleinen " Rest auch noch.
    Wir drücken die Daumen und warten auf die nächsten Lebenszeichen.
    Übrigens : Eimsbüttel verändert sich, vorm La Paz ist jetzt ein Kreisel!
    Liebe Grüße Anke und Rudolf

 

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